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Zeitzeuge, Kategorie: history
Kategorie: history
erstellt: 2019-03-18 von: zeitzeuge

Vor genau 54 Jahren wurde die Welt Zeugin des ersten Ausstiegs eines Menschen aus der Raumkapsel in den Weltraum. Am 18. März 1965 stieg der sowjetische Kosmonaut Alexei Leonow, nur durch eine Versorgungsleine mit dem Raumschiff Woschod-2 verbunden, aus einer für diesen Einsatz extra angefertigten Schleuse während der Erdumkreisung in 250 km Höhe in den luftleeren Raum - bei einer Geschwindigkeit von 28.000 km pro Stunde. Die Sowjetunion hatte den Konkurrenten USA zum wiederholten Mal im Kampf ums All überflügelt. Der Amerikaner Edward White würde erst drei Monate später diesen Weltraumspaziergang beim Flug Gemini-4 wiederholen. Leonows Ausstieg endete aber beinahe mit einer Katastrophe, denn der schwere Anzug des Kosmonauten blies sich so auf, dass Leonow es zunächst nicht schaffte, durch die schmale Lücke der Schleuse in die Kapsel zurück zu kriechen. Endlich im Raumschiff angelangt, vernahmen Leoniw und sein Kommandant Pawel Beljaew die nächste Hiobsbotschaft: die automatische Flugsteuerung der Kapsel war ausgefallen. Beljaew musste Woschod-2 mit der Hand zur Erde zurücksteuern - etwas, was zuvor noch von keiner Weltraumbesatzung praktiziert und nur für den extremsten Notfall vorgesehen war. Um den Ausstieg des ersten Menschen ins All zeitlich unbedingt vor den Amerikanern zu schaffen, gingen die sowjetischen Konstrukteure hohe Risiken ein. Das Raumschiff war zuvor nicht vernünftig getestet worden. Ein halbes Jahr zuvor hatte Woschod-1 zwar einen Weltraumflug absolviert, aber auch bei diesem Experiment gingen die Ingenieure ein großes Risiko ein, indem sie - wiederum um den Amerikanern zuvorzukommen - drei Kosmonauten ohne Raumanzüge in eine Zwei-Mann-Kapsel steckten. Leonow und Beljaew landeten einen Tag später sicher auf der Erde, jedoch hunderte Kilometer vom angesetzten Landeplatz entfernt. Ihre Funksignale wurden aufgefangen und Retter eilten per Hubschrauber und auf Schiern über Wälder zu ihnen, um sie sicher zu bergen. Leonow ist heute, neben Valentina Tereschkowa, eine der wenigen lebenden Weltraumlegenden. Der Weltraumflug von Leonov und Beljaew ist vor kurzem im russischen Film verewigt worden. 

 

Kommentare
2019-04-07 22:41
Jedem Moskau-Besucher, der sich für die Geschichte der sowjetischen Raumfahrt interessiert, empfehle ich wärmstens einen Besuch im Kosmonautenmuseum neben dem Ausstellungsgelände der „Errungenschaften der Volkswirtschaft“ (VDNKh), bequem per Metro (Linie 6/orange in Richtung Medvedkovo) zu erreichen, Haltestelle VDNKh. An das Museum schließt sich die „Allee der Kosmonauten“ mit Büsten von Raufahrtpionieren und Kosmonauten an, darunter ein Denkmal von Sergej Koroljow. Auf dem Gelände der Ausstellung nördlich des Museums befindet sich außer dem Pavillon der verschiedenen früheren Sowjetrepubliken auf der Nordseite ein weiterer Pavillon, der nur der Raumfahrt gewidmet ist. Dort sind Nachbildungen des Sputnik und der Sojus-Kapsel ausgestellt. Das gesamte Areal ist atemberaubend durch seine Weitläufigkeit und an einem einzigen Tag gar nicht zu erfassen. Nach 1991 wurde es zu einem riesigen Basar zweckentfremdet, seit 2005 wird es aber wieder als Messegelände genutzt. Sonst ideal für Sonntagsausflüge, wo man sich vom hektischen Großstadtbetrieb prima erholen kann.
2019-03-20 21:29
Zum ersten Mal bewusst wahrgenommen habe ich Leonov auf irgendwelchen Sowjet-Briefmarken, die ich in den 70ern von einem Onkel aus der DDR geschickt bekam. Sonst kannten wir im Westen bloß Gagarin, Tereschkowa und vielleicht noch „Laika“. Trotz aller technischer Pannen und unzureichender Vorbereitung: Die menschliche Leistung, die Leonov und Beljajew vollbracht haben, war enorm. Unvorstellbar, in solch einer Extremsituation die Nerven zu behalten. Als sich Leonov nach seinem dramatischen Weltraumspaziergang in die Kapsel zurückquetschte, schloss wohl die Außenluke nicht richtig, der Luftdruck sank erheblich und die Atemluft begann, knapp zu werden. Und weil reiner Sauerstoff künstlich zugeführt werden musste, bestand während des gesamten waghalsigen Landemanövers höchste Brandgefahr im Raumschiff. Die tragischste Figur in dem ganzen sowjetisch-amerikanischen Wettlauf um die Dominanz im All war wohl der geniale Ingenieur Koroljow, der von Chrutschtschow gnadenlos verheizt wurde. Gerne würde ich den Film sehen, vielleicht wird er mal ins Deutsche oder Englische übersetzt. Zeitzeuge, danke auch für Ihre Analyse zur Ukraine-Wahl. Ich lese Ihre Texte immer sehr gerne, weil darin viele Einzelinformationen in größere Zusammenhänge gebracht werden, wie ich sie so komprimiert kaum woanders finde. Freue mich schon auf Ihren nächsten Beitrag!
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