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Im Netz von Integrity Initiative, Kategorie: news
Kategorie: news
erstellt: 2019-01-27 von: wolgatreidler

Jetzt spukt es auch durch Deutschland – das Phantom „Integrity Initiative“. Die Öffentlichkeit kann mit diesem eher unschuldig klingenden Namen kaum etwas anfangen, weil es für Rundfunk und Presse aus gutem Grund nicht von Interesse ist, sich mit dem zu befassen, was sich dahinter verbirgt: ein britischer Angriff auf die Demokratie in Deutschland und anderen Ländern weltweit. Denn schließlich sind die Medien, flankiert von der Pseudoautorität fragwürdiger Intellektueller, dazu ausersehen worden, dabei mitzuwirken, der Bevölkerung eine antirussische Propaganda einzuhauchen, um sie im Sinne angelsächsischer Machtpolitik zu manipulieren. Erste Feldversuche dazu gibt es im eigenen Land ebenso wie in Frankreich, Spanien, Italien, Litauen, Montenegro, und auch in Deutschland, das in seiner Affinität zu Russland als besonders hartnäckig gilt. Die einschlägigen Originaldokumente waren nur kurz im Netz einsehbar und sind durch ein Leak der Hackergruppe „Anonymous“ an die Öffentlichkeit gelangt.

Integrity Initiative geht auf das Jahr 2015 zurück, als das britische Außenministerium in London zusammen mit der NATO diese dubiose staatliche NGO entwickelte, die vom US-Verteidigungsministerium und von Facebook(!) mitfinanziert wird. Ziel sei die Eindämmung russischer „Desinformation“ und die Propagierung der Notwendigkeit von NATO-Präsens in Europa und darüber hinaus. Oder auf die kurze Formel gebracht: Der freie, fortschrittliche Westen gegen das gefährliche, autokratische, unberechenbare Russland. Dazu konnten die Drahtzieher in London bereits einflussreiche Intellektuelle in Deutschland anheuern, darunter den Politologen Hannes Adomeit, den Funktionär Bertil Wenger, Leiter des Büros für Auswärtige Beziehungen im Adenauer-Haus und Merkel-Berater und Prof. Joachim Krause, um nur einige zu nennen. Letzterer ist der Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik an der Kieler Universität, also einer staatlichen Bildungseinrichtung, mit der auch Adomeit als „Non-Resident Senior Fellow“ assoziiert ist. Daneben hohe Militärs im Ruhestand und einflussreiche Journalisten. Andere prominente deutsche russophobe Aktivisten werden bereits akquiriert mit dem Ziel, weitere Zellen zu gründen.

Also kein Wunder, dass der sonst so genüsslich zelebrierte Aufschrei in den Medien diesmal ausbleibt. Spätestens im Sommer 2018, als klar wurde, dass die Macher von Integrity Initiative als Initiatoren einer Hetzkampagne gegen den britischen Oppositionsführer Jeremy Corbyn operierten, hätten sie die Pflicht gehabt, diesem Skandal mehr als nur eine Randnotiz zu widmen. Während die „Qualitätsmedien“ stets Betroffenheit zur Schau und stellen und ihre Opferrolle zelebrieren, wenn sie mal wieder ihre Rechte verletzt sehen, tragen sie der fragwürdigen Halbwelt einer ausländischen Propagandamaschinerie jetzt freiwillig ihre Dienste an. Anstatt die Informationsfreiheit zu garantieren und die Demokratie vor Wahlmanipulation zu schützen, geben sie sich dem Missbrauch preis, diese zu unterwandern. Währenddessen dozieren intellektuelle Transatlantiker als Lobbyisten in den Hörsälen steuerfinanzierter Bildungsstätten gegen einen imaginären Feind. Hier entsteht gerade eine Realität, gegen die selbst gewagte Verschwörungstheorien beinahe wie die ungeschminkte Wahrheit daherkommen.  

Und die Politik schweigt. Wo bleibt die gewohnte Empörungsorgie, die bei Cyberattacken sonst reflexartig bemüht wird, um willfährig über Russland herzufallen? Schließlich fließen Steuergelder in bislang unabhängige Bildungseinrichtungen, die jetzt zur Infiltrierung der öffentlichen Meinung umgenutzt werden sollen. Immerhin führt der Geheimdienst eines verbündeten – wenn auch nicht befreundeten – Landes in Deutschland Operationen durch, die den Hollywood-Polit-Thrillern aus den Achtzigern um nichts nachstehen, bloß dass London und Moskau diesmal ihre Rollen getauscht haben.

Wer mag denn daran zweifeln, dass gar schon Listen oder gar ein Index mit unliebsamen Personen erstellt wurden, die gezielt denunziert werden sollen, wenn Sympathie mit Russland diagnostiziert wurde? Nicht auszudenken, dieser noch incognito arbeitende Oktopus kommt eines Tages als offen agierendes Exekutivinstrument aus der Deckung mit dem Auftrag, Andersdenkende aus Schlüsselpositionen zu entfernen.

Angesichts dieser aggressiven Meinungsmanipulation muss sich schnellstens eine Gegenöffentlichkeit formieren, die Fehlinformationen bloßstellt und alle Versuche, einen Gegensatz zwischen Deutschland und Russland zu konstruieren, konsequent abwehrt. Kontinentaleuropa muss endlich eine eigenständige, von angelsächsischem Einfluss freie Politik etablieren, die auf eine Entspannung und den Wideraufbau des Vertrauens zu Russland setzt. Bis dahin muss in den noch wenigen verbliebenen alternativen Medien die Maxime jetzt lauten: Aufklären, aufklären, aufklären!

Kommentare
2019-01-28 20:20
Angesichts des aufziehenden Informationskriegs sollten wir jetzt wachsam bleiben, aber nicht in Panik verfallen. Betrachten wir diese Störmanöver als das, was sie sind: die letzten hilflosen Versuche einer verzweifelten Koalition, eine Entwicklung aufzuhalten, die sie selbst befeuert hat und die inzwischen längst soviel Fahrt aufgenommen hat, dass sie kaum mehr zu stoppen ist. Russland kann außen- und wirtschaftspolitisch unter mehreren Option wählen, allein deshalb kann es weder totpropagiert, totsanktioniert noch totgerüstet werden. Der Westen und vor allem wir Europäer schaden uns mehr selbst, als wir Russland zu schaden gedenken. Deshalb gilt: Bleiben wir auf der Hut und nutzen wir die alternativen Medien – auch ausländische – wo es nur geht, vergleichen wir, lernen wir wieder, „zwischen den Zeilen“ zu lesen und zu erkennen, wer uns tatsächlich Fake News liefert. In Bezug auf Mediennutzung sind wir in Deutschland noch lange nicht erwachsen.
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