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Mit Sojuz 31 zur Saljut 6 – der erste Deutsche im All. Zum Tod von Sigmund Jähn, kategoria: history
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dodany: 2019-09-29 przez: michael

In seinem Haus in Strausberg bei Berlin verstarb am 21. September im Alter von 82 Jahren der erste Deutsche im Weltall, der DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn.

Nach einer Buchdruckerlehre zog es den gebürtigen Sachsen aus dem Vogtland 1955 zur Luftwaffe der Nationalen Volksarmee der DDR, wo er sich zum Piloten ausbilden ließ und später in leitender Funktion für militärtaktische Fragen zuständig war.

Als Kandidat für eine militärische akademische Ausbildung sandte ihn die NVA 1966 nach Moskau an die Militärakademie „Jurij Gagarin“, wo er bis 1970 zum Militärwissenschaftler ausgebildet wurde und bei der Gelegenheit seine russischen Sprachkenntnisse perfektionierte. Als die DDR im Sommer 1976 im Rahmen des Interkosmos-Programms von der Sowjetunion das Angebot bekam, eigene Kosmonauten vom kasachischen Weltraum-„Bahnhof“ Baikonur aus zur Raumstation Saljut 6 mitfliegen zu lassen, wurde Jähn – seinerzeit schon Offizier und bei der Luftwaffe für die Jagdfliegerausbildung und Flugsicherheit zuständig – als Kandidat ausgewählt und im Sternenstädtchen bei Moskau zum Kosmonauten ausgebildet. Durch Interkosmos konnten seinerzeit Kosmonauten aus sämtlichen Warschauer-Vertrags-Staaten an sowjetischen Raumfahrtprojekten teilnehmen, doch auch westliche Astronauten wie die Franzosen Patrick Baudry und Jean-Loup Chretien flogen von Baikonur aus zu sowjetischen Orbitalstationen.

Am 28. August 1978 startete dann auch Jähn mit seinem sowjetischen Kommandanten Valerij Bykovskij als Forschungskosmonaut an Bord der fast 50 Meter hohen Sojuz 31-Rakete zur Raumstation Saljut 6. Den Countdown schilderte er in einem Interview 1998 mit der Zeitschrift“ Super Illu so: „Die Stimme des Flugleiters im Kopfhörer klang fast feierlich: ‚Podjom – Aufstieg!‘ Es war zuerst, als würde es in weiter Ferne donnern. Das dumpfe Grollen kam schnell näher und näher. Die Rakete begann zu vibrieren, als zitterte sie, so schnell wie möglich vom Krater des Vulkans wegzukommen, auf dem sie saß. Ich sah es zwar nicht aus unserer Kapsel 50 Meter über der Erde, aber Augenzeugen berichteten mir später von diesem einmaligen Schauspiel. Es sah aus wie ein feuerspeiender Drachen, der ein Meer aus Flammen und Rauch ausstieß. Rot, gelb, blau und violett tobten die Strahlen aus den fünf Triebwerken. Ein faszinierender Anblick. Meine Pulswerte waren erhöht. Aber dieses Herzklopfen war keine Angst, eher anregend. Und was ich dann sah, war totale Glückseligkeit: Unsere Erde, in leuchtendes Blau gehüllt. Einfach traumhaft.“

Der Flug verlief „normal“, wie Jähn unter seinem Codenamen „Habicht“ zur Erde funkte, doch beim Andocken an die Saljut-Station kam es unerwartet zu Problemen: Die Verbindungsluke ließ sich nicht öffnen und Jähn und Bykovskij brauchten über eine Stunde, um sie mit Verstärkung der Saljut-Besatzung, den Kosmonauten Wladimir Kovaljonok und Alexander Ivanschenkov endlich aufzustoßen. Die beiden Gastgeber hatten schon Brot und Salz vorbereitet, um die Neuankömmlinge nach altem russischen Brauch an Bord zu begrüßen.

Zusammen mit seinen sowjetischen Kollegen führte Jähn dann in den fast 8 Tagen Aufenthalt in seiner orbitalen Wohneinheit physikalische, medizinische und biologische Experimente unter dem Einfluss der Schwerelosigkeit durch.

Weniger Beifall in den Kontrollstationen auf der Erde und insbesondere in der Ostberliner Parteizentrale fand die spontane Idee Bykovskijs, während einer vom DDR-Fernsehen übertragenen Live-Konferenz aus der Raumstation die mitgebrachten Puppen der russischen Märchenfigur „Mascha“ und dem DDR-Sandmann im Raumanzug symbolisch miteinander zu „verheiraten“.

Bei der Landung mit der Sojuz 29 am 3. September 1978 auf der Erde kam es zu einem unerwartet starken Aufprall der Kapsel auf dem Boden der kasachischen Steppe, der Jähn bleibende Schäden an der Wirbelsäule bescherte. Und es passierte noch eine weitere „Panne“: Bykovskij rauchte zum Unmut einiger Parteifunktionäre kurz nach der Landung eine erste Zigarette, was sich für einen Vorzeige-Kosmonauten nicht ziemte.

Mit besonderem Stolz erfüllte die DDR-Führung nicht nur, dass es kein Westdeutscher war, der zuerst ins All flog, sondern dass eine in Jena für viele Millionen Mark konstruierte Multispektral-Filmkamera erfolgreich getestet werden konnte, mit der die Oberfläche der Sowjetunion und der DDR vom Weltraum aus in bis dahin ungekannter Präzision vermessen werden konnte.

Nach seiner Rückkehr auf die Erde übernahm Jähn den Vorsitz beim neu geschaffenen Zentrum für Kosmische Ausbildung bei den Luftstreitkräften der NVA in Eggersdorf bei Strausberg, bis er dort 1990 im Zuge der Auflösung der DDR-Streitkräfte als Generalmajor aus dem Dienst entlassen wurde. Danach ging es zurück nach Moskau. Im Ausbildungszentrum für Kosmonauten arbeitete er als Berater des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), ab 1993 auch für die Europäische Weltraumorganisation ESA, wo er die deutschen und europäischen Astronauten auf die Missionen Mir-92, Euromir-94 und Euromir-96 mit vorbereitete. Bis 2002 blieb Jähn im Moskauer Sternenstädtchen.

Als „Held“, wie er im Sinne der Staats- und Parteiführung der DDR öffentlich wahrgenommen werden sollte, eignete sich der erste Deutsche im All wenig. Noch 30 Jahre nach seiner Weltraummission erinnerte er sich: „Die Jubelberichterstattung war aber keine Musik in meinen Ohren, zum Volkshelden wollte ich mich nicht machen lassen. (…) Im Rampenlicht zu stehen fand ich anstrengender als die Reise ins All.“

Wenige Monate vor Sigmund Jähn, am 27. März 2019, verstarb sein Kommandant, Valerij Bykovskij.

Komentarze
2019-10-04 19:56
Was meinen Sie denn, Olivers0909, mit Mitläufer? Was glauben Sie denn, wie viele aalglatte Mitläufer es heute gibt? Mag ja sein, dass er als Vorzeige-Held der DDR herhalten musste, aber er hat sich nicht in diese Rolle hineingedrängt und vor allen Dingen – er hat niemandem Schaden zugefügt. Im Vergleich zur nassforschen Art heutiger Mitläufer hat er sich im Hintergrund gehalten. Wer über Sigmund Jähn spricht, darf auch nicht vergessen, wie viel er in seiner ESA-Beratertätigkeit für die Annäherung zwischen Ost und West im Allgemeinen und zwischen den USA und Russland im Speziellen getan hat. Er hat viel dazu beigetragen, dass es bis heute gemeinsame bemannte Raumflüge von Russen und Amerikanern zur Internationalen Raumstation gibt. Es ist eine Schande, dass er dafür nie das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam, das heute Hinz und Kunz für alles Mögliche umgehängt kriegen. Aber er war halt ein Offizier der NVA, und da kann unser Staat nun mal nicht über seinen Schatten springen. Auch noch nicht fast 30 Jahre nach der deutsch-deutschen Vereinigung. Traurig, aber wahr.
2019-10-03 18:49
Jähn war ein Mitläufer mit einem aalglatten DDR-Lebenslauf. Ein Mann wie gemacht für den ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaat. Als Fachmann wurde er nach der Wende weiter gebraucht, wie auch andere Mitglieder der NVA oder der Volkspolizei, so tat dann die Wiedervereinigung seiner Karriere auch keinen Abbruch. Wozu ihm hier ein spezieller Artikel gewidmet wird, ist mir unklar.
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