Mittwoch 26 Juni 2019
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Zeitzeuge, Kategorie: news
Kategorie: news
erstellt: 2019-06-05 von: zeitzeuge

Die Welt rast auf einen Konflikt USA gegen China zu. Die USA überlegen, ob sie den rasanten Aufstrieg Chinas zur ebenbürtigen Supermacht überhaupt noch mit nicht-militärischen Mitteln stoppen können. Wenn man die Analysen führender US Think Tanks studiert, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass die USA eine multipolare Ordnung, in der sie nicht mehr allmächtig handeln können, niemals zulassen werden. Doch ist diese globale US-Kampf-Agenda auch die europäische? Natürlich möchten die USA, dass ihre europäischen Verbündeten ihrerseits aufrüsten - um den USA im Kampf um die Erhaltung der transatlantischen Weltordnung beizustehen. Die Europäer wären jedoch gut beraten, eigene Vorschläge für eine künftige globale Friedensordnung zu unterbreiten. Sie sollten sich nicht in einen US-Krieg um westlichen Machterhalt hineinreißen lassen. Einer der Schlüssel zu dieser Friedensordnung des 21. Jahrhundert liegt in einem verbesserten Verhältnis zu Russland. Statt die NATO gegen Russland wieder in Frontstellung zu bringen, sollten die Europäer Russland den ernsthaften Vorschlag zum Aufbau einer gemeinsamen Sicherheitsordnung von Lissabon bis Wladiwostok unterbreiten. Ein solches Konzept lag im Jahre 2000 praktisch schon auf dem Tisch. Der Jugoslawienkrieg und andere schwerwiegende Konflikte verhinderten jedoch dessen Realisierung. Heute ist die europäische Sicherheitsarchitektur in die Zeiten des Kalten Krieges zurückgefallen - grundlos, wie viele meinen. Der Westen glaubt, ein neues vermeintliches russisches Imperium mit aller Gewalt verhindern zu müssen. Russland sieht in der NATO Osterweiterung den Westen als eigentlichen Aggressor. 

Angesichts des viel gefährlicheren potentiellen Konflikts zwischen Washington und Peking, der die Welt an den Rand einer Katastrophe stellen würde, erscheint der neue Ost-Westkonflikt mit Moskau als lösbar. Der Westen, allen voran die USA, müsste sich in einem Abkommen mit Russland verpflichten, die NATO nicht weiter nach Osten auszudehnen. Im Gegenzug müsste sich Russland verpflichten, ehemalige Sowjetrepubliken, wie die Ukraine, in die EU ziehen zu lassen, vorausgesetzt diese Staaten wollen es und können es wirtschaftlich schultern. Besser wäre es, die EU aber nicht nach Osten auszudehnen, sondern ein strategisches Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und der Eurasischen Wirtschaftssunion zu schließen, welches auch sicherheitspolitische Aspekte erhalten würde. Künftige Politikergenerationen werden sich sicherlich wundern, warum die hier skizzierten Möglichkeiten der Kooperation zwischen EU und Russland nicht schon Anfang des 21. Jahrhunderts verwirklicht worden sind. 

Der gemeinsame Raum Lissabon-Wladiwostok sollte weitere Faktoren beinhalten, beispielsweise eine stärkere OSZE mit einem europäischen Sicherheitsrat. Dass damit Konkurrenz zur NATO entstehen würde, wäre verkraftbar. Darüberhinaus würde sich der gemeinsame Raum auf einer Rohstoff-Allianz begründen. Eine gemeinsame Förderung sibirischer Bodenschätze gegen eine technologische Modernisierung Russlands durch den Westen: wer, außer den Amerikanern, könnte dagegen sein? Die Europäer müssen an eigene Interessen, nicht immer an die amerikanischen, denken. Der europäische Sicherheitsrat, dem auch Russland, bzw. andere Länder der Eurasischen Union angehören könnten, würde Konzepte gegen die wirklichen Gefahren für den Kontinent entwickeln. Die größten Hereausforderungen kommen nämlich aus dem Süden: der Zerfall des Mittleren und Nahen Ostens, Afrikas, die Klimaveränderungen, eine immer wahrscheinlich werdende neue Weltfinanzkrise - all das lässt sich für Europa mit und nicht gegen Russland bewältigen. Falls die Idee eines europäischen Sicherheitsrates aufgrund des amerikanischen Vetos nicht realisiert werden kann, müssen Deutschland und Frankreich die vergessene Idee der Troika-Treffen mit Russland aufwärmen. Sie gaben in den 90er und Nullerjahren Russland das Gefühl, in sicherheitspolitischen Fragen Europas konsultiert zu werden. Der NATO-Russland-Rat kann diese Funktion nicht erfüllen. Die Treffen in Normandie-Format zum Ukrainekonflikt könnten das Fundament für eine solche Troika werden. Schließlich muss sich Europa von seiner bisherigen Strategie, Russland zur Demokratie zu erziehen, verabschieden. Der Wertekonflikt mag westlichen Politikern das Gefühl moralischer Überlegenheit vermittelt zu haben. Doch Europa kehrt jetzt, ob es will oder nicht, zur pragmatischen Interessenpolitik zurück. Auf der reinen liberalen Wertegemeinschaft kann der abendländische Kontinent mitnichten konsolidiert werden. 

Es ist furchtbar schade, dass die hier geäußerte Analyse im deutschen Mainstream niemals veröffentlicht werden kann. 

Kommentare
2019-06-24 05:25
Wer sich einmal anschaut, in welchen transatlantischen Lobbyverbänden sich Herausgeber und leitende Redakteure unserer (noch) Leitmedien tummeln, muss sich nicht wundern, dass in ihren Blättern die einseitige pro-amerikanischer Berichterstattung überwiegt, was gleichzeitig seltsamerweise immer antirussisch bedeuten muss. Schon vor fünf Jahren, am 29.04.2014 machten Max Uthoff und Claus von Wagner in der ZDF-Satire „Die Anstalt“ die Querverbindungen zwischen deutschen Medienmachern und amerikanischen Denkfabriken sichtbar https://www.youtube.com/watch?v=4sXs6Jiy5Ms, woraufhin es dem pikierten ZEIT-Herausgeber Josef Joffe und einem seiner Redakteure, die der Beitrag offenbar wirksam an empfindlicher Stelle getroffen haben muss, tatsächlich gelang, eine einstweilige Verfügung zu erwirken und die Ausstrahlung dieser Folge zu verhindern. Kein Politiker würde es sich wagen, der heiligen Kuh „Satire“ hierzulande auch nur ein Haar zu krümmen. Mainstream-Meinungsmanipulanten hingegen dürfen das, entweder, weil sie noch eitler sind als ihre gesinnungsverwandten Schützlinge in der Politik oder weil – was noch schlimmer wäre – die political correctness in Deutschland eine satirische Betrachtung publizistischer Unglaubwürdigkeit nicht mehr zulässt. Auch der FAZ-Journalist Reinhard Mohr und die FR-Redakteurin Katja Thorwarth lassen beim Thema „Russland“ keine Satire gelten, in der Putin-Kritiker schlecht wegkommen und setzen dabei gern noch einen drauf: Sie und ihre transatlantischen Taktgeber exponieren sich selbst immer gern als Opfer pro-russischer Propaganda. Ich denke, man tut diesem Journalismus und ihren Machern zuviel Ehre an, wenn man um ihre Gunst buhlt und um das Wohlwollen, dort einen Beitrag veröffentlichen zu dürfen. Ich bin beruflich viel mit politisch nicht engagierten, aber interessierten – vor allem jungen Menschen – zusammen, mit denen ich auch hin und wieder über das Thema Russland diskutiere. Diese sind vor allem im Internet unterwegs und es ist bezeichnend, wie viele davon RT und andere alternative Medien nutzen, vorerst noch hinter vorgehaltener Hand, weil sie sich unsicher sind, ob man das auch wirklich „darf“, ohne wie Schmuddelkinder behandelt zu werden. Aber langsam wird Meinungsvielfalt auch in Deutschland salonfähig, auch wenn sich die alte Elite mit geballter Kraft dagegen stemmt. Wie wolgatreidler geschrieben hat: So lange die einseitige mediale Bevormundung des Mainstreams andauert, müssen wir mit Hilfe der Alternativmedien im Netz informieren und uns selbst an ihnen beteiligen. Auf einem halböffentlichen Treffen mit Akteuren aus der lokalen Politik in unserem Landkreis habe ich gestern, als wir beiläufig auf Trump und Putin kamen, auch über den Inhalt des obigen Artikels von Zeitzeuge gesprochen und dabei festgestellt: An einleuchtenden Argumenten kommt kaum einer vorbei. Und niemand in dieser Runde konnte sich ein Europa von Amerikas Gnaden vorstellen, aus dem Russland ausgegrenzt wäre.
2019-06-19 23:01
So lange sich Europa nicht aus dem Schatten der USA heraustraut, wird es keine gemeinsame unabhängige Außen- und Sicherheitspolitik hinbekommen. Und dass dies nicht geschieht, dafür werden schon die von Washington umgarnten osteuropäischen Staaten, allen voran Polen, Rumänien und das Baltikum sorgen. Es ist ein Unding, dass sich diese Länder den USA als militärische Vorposten an der Grenze zu Russland andienen können, ohne dass andere Mitgliedsstaaten die Chance haben, sich nennenswert dagegen zu wehren. Was ist denn das für eine Union, in der sich Kerneuropa von den neuen östlichen Mitgliedstaaten, die es mit seinen Steuermilliarden bis heute am Leben hält, ungehindert sicherheitspolitisch unterwandern lassen kann oder wo ein nationalpopulistischer Parteichef in Warschau und seine Handlanger in der Regierung – allesamt mit nachgewiesener Deutschland- UND Russlandphobie – sich mit Feuerschutz aus Amerika die EU ohne wesentliche Gegenwehr so zurechtbiegen können, bis sie für ihre Ideologie taugt? So lange sich die Europäische Union nicht von Grund auf reformiert, wird es keine eigenständige selbstbewusste, von den USA entkoppelte Außen- und Sicherheitspolitik geben. Hier könnte das von Zeitzeuge erwähnte Trojka-Format wirklich ein Ausweg sein. Dann müssten eben die Nationalstaaten wieder das Heft in die Hand nehmen, und zwar an Brüssel vorbei, so, wie es Polen und Co. schon seit ihrem Beitritt in die EU tun. Doch was mit Regierungschefs passiert, die sich Russland wieder mehr öffnen wollen, zeigt das Beispiel Österreichs. Wie sehr das Klima für souveräne verantwortungsvolle politische Entscheidungen inzwischen vergiftet ist, wurde zuletzt wieder am Mediengeifer nach dem Treffen des sächsischen MP Kretschmer mit Präsident Putin deutlich. Ich werde die hier von Zeitzeuge entworfene Analyse verbreiten, wo es nur geht. Solche Konzeptionen, deren Schlüssigkeit sich geradezu aufdrängt, müssen unter die Leute! Auf alternativen Wegen, und zwar so lange, bis sich der jetzige Mainstream von selbst erledigt hat!
2019-06-07 09:05
Dieser Text gehört in sämtlichen sozialen Netzwerken und Medien verbreitet! Vor allem wir unter 30 Jährige nutzen keine GEZ-Medien und "Qualitätspresse" mehr, haben sie nie genutzt. Es müssen andere Kanäle der Verbreitung gefunden werden. Hej, wenn ein YouTuber wie Rezo mit einem Beitrag auf seinem Kanal Europawahlen beeinflussen kann, weil er als Influencer fast 2 Millionen Follower hat, dann sieht man doch, dassdie Zeit der Multipolarität in den Medien längst begonnen hat. Meinung wird heute auf YouTube und Instagram gemacht. Das sollten wir nutzen! Das gilt auch für die Macher von Repolog!
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